Die Schlanke Mathilde -
das volkstümlichste Hörder Wahrzeichen

Im Jahre 1908 wurde dem Brückenplatz ein attraktiver Uhrenkandelaber aufgestellt, der bald den Spitznamen "Schlanke Mathilde" erhielt. "Schuld" daran soll die die Frau des damaligen Bürgermeister gewesen sein, die alles andere als schlank war, heißt es. Wenn die "Schlanke Mathilde" erzählen könnte!

So soll sie auch gesehen haben, wie ein Klavierspieler durch das Fenster eines nahen Hotels vor ihre Füße geworfen wurde. Der Hausmusikus soll ein "Krösken" mit der Frau des Hoteliers gehabt haben, was dem Ehemann verständlicherweise nicht behagte. Politische Folgen, wie nach dem Prager Fenstersturz, hatte der Hörder Fenstersturz nachweislich nicht.

Die Mathilde entwickelte sich nicht nur zum beliebten Treffpunkt für Liebespaare, auch sonst verabredeten sich die Hörder fast ausschließlich zu ihren Füssen.

Dann stand das Wahrzeichen der Streckenführung der Straßenbahn im Wege. Statt den Liebling der Bürger an eine andere Stelle zu setzen, wählte man 1930 die bewährte Methode des Abbruchs, der hier mittels Schneidbrennern erfolgte.


 

 

Einen Einsatz sollten die Hörder dann doch noch haben. Eine in Dortmund nicht mehr benötigte Uhr, ein nackter Kasten auf einer Säule, wurde aufgestellt. Das ungeliebte Objekt erhielt den Namen "Brückenuhle" (Brückeneule). Von Nichtkenner wird dieses Gebilde auf Fotos gelegentlich mit der Mathilde verwechselt, was alte Hörder aber nur schwer verzeihen.

Nach dem 2. Weltkrieg stellte man die dritte Normaluhr auf den Brückenplatz auf. Diesmal war es ein hoher Lampenmast, wieder mit einer vierseitigen Uhr bestückt. Dieser Mathilde- Ersatz mußte 1964 beim Neubau der Brücke weichen. Der 1979 gegründete "Stammtisch Schlanke-Mathilde" macht sich, seinem Namen getreu, die Rekonstruktion des geliebten ersten Uhrkandelabers zur Aufgabe. In der Lehrwerkstatt des Phönix - Werkes wurde die Nachbildung gefertigt. Am 6. Oktober 1983 konnte die neue Mathilde eingeweiht werden. Heute erfreut sich das rund 14 Meter hohe Wahrzeichen wieder der alten Beliebtheit.




Die Zeichnung zeigt links das mit besonders schönen Jugendstilelementen verzierte Severinsche Haus (heute Dresdner Bank). Es sollte einst einem Karstadt-Neubau weichen, wofür die angrenzenden Häuser bereits abgebrochen wurden. Der Turm der Lutherkirche schaut hinter dem Haus hervor. Rechts ist, mit einigen Veränderungen, das heutige Poststübchen zu sehen, das sich das Gebäude mit der Damian - Apotheke teilt.

Willi Garth